Eine sehr schwere Zeit

Gartengeschichten, Kapitel 004

1998

0021_fruhjahr_1998Mit dem Ausgang des Winters wurden die Arbeiten am Haus wieder aufgenommen und der Putz aufgebracht.

Es war ein Jahr größter Anstrengungen, denn es galt, meinen Betrieb aus tief „roten Zahlen“ wieder auf eine Grundlage zur Existenz zu bringen.

Nach zwei heftigen politisch verursachten Durststrecken durch „Gesundheitsreformen“, 1988/89 (unter Gesundheitsminister Norbert Blüm) und 1991/92 (unter Gesundheitsminister Horst Seehofer) hatte sich die Geschäftslage seit Ende 1994 wieder stabilisiert. Doch schon musste die Gesundheitspolitik neue Wirren veranstalten. Die Auswirkungen der „GKV-Neuordnungsgesetze“ von 1997, abermals unter Horst Seehofer, sorgten deutschlandweit dafür, dass einige Zahntechnikerlabore in Konkurs gingen. Alle mussten heftige Umsatzeinbußen in Kauf nehmen.

Dann war ich kräftemäßig – wieder einmal – so am Ende, dass ich meinen Betrieb zum Verschenken anbot. Ich hatte keine Motivation mehr zum Selbstständig-sein, denn ich sah mich gezwungen, mein wertvolles Mitarbeiterteam vollständig zu entlassen. Mir wurde es nun so ziemlich egal, wie es weitergehen würde. Trotz hervorragender Ausstattung wollte aber niemand meinen Betrieb haben. Allen angesprochenen Menschen steckten die Schrecken der Gesundheitspolitik so in den Knochen, dass sie ablehnten. (Irgendwie war mir aber das Schicksal gewogen und ich schaffte es mit tatkräftiger Unterstützung meiner Ehepartnerin, in gut 1 1/2 Jahren wieder auf eine ausreichende Existenzgrundlage zu kommen.)

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Laut Baugenehmigung waren noch einige Bäume und Büsche zu pflanzen. Angesichts unserer finanziellen Lage eigentlich ein aussichtsloses Vorhaben. Wir hatten Glück. Irgendwo wurde ein ehemaliges Baumschulgelände geräumt. Die Pflanzen waren jahrelang nicht mehr gepflegt worden. Sie wurden mit dem Radlader ausgehoben und zu absoluten Schleuderpreisen abgegeben.  Uns war diese Aktion sehr willkommen.

Doch das Land war ja noch gar nicht vorbereitet zum Pflanzen. Noch lag der Erdaushub vom Bau so herum, wie er mal abgelagert wurde. Beim Buddeln der Pflanzlöcher, völlig ohne Bepflanzungsplan, stießen wir auf eine Menge Schrott und Schotter. Es war Plackerei, aber das Grundstück sah danach schon etwas belebter aus. Wieder kam der Winter und wir waren gespannt, ob die Pflanzen überleben würden, denn mit ihrem Wurzelwerk wurde ja beim Ausheben mit der Maschine nicht sorgsam umgegangen…

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1999

Als der Boden frostfrei war, mietete ich einen Radlader und beförderte den Bodenaushub an seinen Platz. Die Terrasse und der Keller rundum wurden aufgeschüttet. Die beim Ausheben der Baugrube gesammelten Feldsteine fanden ihren Platz. Es juckte in den Fingern und so kaufte ich noch ein paar Pflanzen für rund ums Haus. Einen Blauregen, einen „echten“ und auch wilden Wein, Efeu, Geißblatt und Knöterich. Zwischen die Steine des Terrassenabhanges kamen Bergbohnenkraut, Salbei, Thymian, ein paar Polsterstauden und Steinbrech-Pflanzen.

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Die Baumschul-Bäume und Büsche begannen tatsächlich alle auszuschlagen. Dabei stellte sich heraus, dass die Auskünfte des Verkäufers in der aufgegebenen Baumschule bezüglich der Pflanzenarten teilweise falsch waren. Meine Kenntnis unbelaubter Bäume reichte nicht, um das zu bemerken. In freudigen Gedanken an zukünftige Ernten pflanzten wir so z.B. auf der Terrasse einen Pfirsichbaum.  Er entpuppte sich jedoch als Pflaumenbaum. Seine kleinen gelben Früchte werden am meisten von Wespen geschätzt – dann, wenn sie abfallen und zu gären beginnen. 🙂 Der Baum wuchs und wächst allerdings wie wild und wurde in kurzer Zeit zum Lieblings-Kletterbaum unserer Tochter. 🙂

Wir hatten Sehnsucht nach Gartenflair. Ein paar Tütchen Blumensamen und ein paar Tomatenpflanzen mussten unbedingt her. Wir säten rund ums Haus, denn der aufgeschüttete Aushub war locker und leicht bearbeitbar. Beim Ausverkauf eines Baumarktes „retteten“ wir dann noch stark im Preis reduzierte Rosenstöcke und ein paar andere Pflanzen. Und wieder wurde es ein wenig grüner auf der nackten Erde -respektive, dem nackten Sand.

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Nun fiel es uns erstmalig auf, dass das Ferienwetter dieser Gegend auch Nachteile hat. Zumal auf reinem Sandboden. Fast zwei Monate Sonne und Trockenheit. Der Sand rieselte und die Pflanzen mussten ständig gegossen werden. Wasser – bis heute unser größter Aufwand im Garten. Ein etwas veränderter Spruch beschreibt die öfter eingetretene Situation: „Nur die Harten überstehen im Garten.“ 🙂

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Wir befreiten auch ein paar Quadratmeter Sand hinter dem Haus von der trockenen Grasnabe, die mit langen Sauerampferwurzeln fast untrennbar stabilisiert war und bezeichneten das Stück als „Gartenbeet“. – Nein, es machte keine Freude. Der Boden war völlig kraftlos und nichts außer „Unkraut“ wollte wirklich wachsen, auch wenn es noch so gut gegossen wurde.

Nur auf dem durchwühlten und aufgeschütteten Boden rund ums Haus tat sich was. Hier am Eingang und an der Terrasse.

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Es wuchs wirklich und im Spätsommer war es eine richtige Pracht und Freude!

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Im Herbst pflasterten wir dann noch unseren Aufgang.

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Er wurde vor dem ersten Schneefall fertig.

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