Die kleinen und ein großes Wesen

Gartengeschichten, Kapitel 005

2000

Ich habe einen Sammeltrieb. So schaffte ich alte Biberschwanzziegel, Äste, Brennholz und alte Ziegelsteine heran und lagerte alles auf dem Grundstück, wo immer es mir gerade passte.

0034_ziegel„Unordentlich“ ist das nach traditionellen Maßstäben unserer Gesellschaft, doch das finden nur die Menschen, wie wir sehen werden…

0035_holzhaufen

Ich legte einen Miniteich an, gespeist von Regenwasser und pflanzte ein paar Sumpfpflanzen hinein. Dann blieb er sich selbst überlassen.

Wir gruben wieder ein paar Quadratmeter Boden um. Es sollte rundum noch bunter werden. Auch um die Eiche an der Einfahrt. Doch während die Blumen langsam wuchsen, starben die Frühlingsblättchen der Eiche bald ab. Der Stamm starb insgesamt. Mit der zweiten Eiche, hinter dem Haus, ging es ebenso. Ich war traurig, denn es waren mit die größten Bäume die wir gepflanzt hatten. Ich war dann allerdings zu faul, sie wieder herauszureißen.

0036_eiche

Die beiden Nachbargrundstücke sahen aus wie unseres. In dem Sinne „unberührt“, wenn auch hier und dort ein größeres Bäumchen stand als bei uns – was unbestreitbar ein Dekovorteil war. 🙂

Der eine Nachbar schaffte Hühner, Enten und Gänse an, rodete seine Wildnis, pflügte und eggte den Sand mehrmals, bis die Fläche eben war. Dann ließ er viele LKW voller Mutterboden anfahren, der darauf verteilt wurde. Seither nutzt er das Land als Ackerfläche.

0037_ackerland

0039_insektDer andere Nachbar verpachtete einen großen Teil seines Grundstücks an ein Ehepaar aus Berlin, welches sich einen Wohnwagen als Wochenendsitz hinstellte. Die Frau war Landschaftsgärtnerin. Das Grundstück wurde gebügelt, das Gras kurz gehalten, Bäumchen gepflanzt, Blumen angesiedelt, der Wohnwagen wurde umbaut.

0040_schmetterling„Tja,“, sagte sie eines Tages über den Zaun hinweg, der unser Gestrüpp von ihrem netten, aufgeräumten Bereich trennte, „die Tiere sind weg.“ Es schwang eine Spur Bedauern in ihrer Stimme. Mit den „Tieren“ meinte sie Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern, Erdkröten, Igel, Wildbienen…

 

Tja, die  sonnten sich derweil auf meinem gesammelten Material, nahmen meine Holzhaufen als Luxushotel, stöberten im Bioabfall-durchsetzten Pflanzenmüll – den wir großspurig als „Kompost“ bezeichneten – nach Futter und besuchten fleißig unsere blühende „Unkraut“-Steppe.

0038_eidechse

Während es nun draußen um die kleinen Wesen ging, wuchs drinnen ein großes. Im Laufe des Jahres schuf ich einen Drachen aus Kupfer, der seinen Platz auf unserem Dach finden sollte. Hier ist er im Entstehen.

0041_drache_im_bau

Der Wind bläst überwiegend von den weiten Hügelfeldern direkt auf unser Haus. Dabei nimmt er jährlich Massen an Sand vom ungenügend oder gar ungeschützten Boden mit, dass es auf der Haut nur so prickelt.

0042_sandverwehung

Der Sand sammelt sich schnell in der Dachrinne. Dort keimten nach erstaunlich kurzer Zeit Baumsamen, die ich in Töpfe setzte und später dort auspflanzte, wo immer es leichter war, in den Boden zu kommen.

Über dem Miniteich schwirrten erstmals Libellen. Wasserkäfer paddelten bald darin, und Hornissen tanken dort Wasser. Dann quakte der erste Frosch, obwohl eine Ringelnatter den Teich zum Baden nutzte. Ich finde es beeindruckend, wie schnell die Natur einen neuen Lebensraum besiedeln kann!

0043_frosch

Mitten im Sommer machte ich eine freudige Entdeckung! Bei beiden abgestorbenen Eichen zeigten sich winzige grüne Blättchen am Fuße der Stämme. Das Leben hatte also doch Bestand! Sie wachsen und gedeihen seither. – Später sollte es mir mit einer Weide noch einmal ähnlich ergehen.

Um die wieder austreibende Eiche war es auch wirklich bunt geworden. Uns zur Freude.

0050_eiche

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